Sächsische Schweiz: Durch malerische Naturkulissen

Die historische Basteibrücke kurz vor dem Sonnenuntergang

Meine kurze, winterliche Wandertour durch die Sächsische Schweiz hat mich mehr überrascht als ich erwartet hätte. Zwischen markanten Sandsteinfelsen und verwunschenen Schluchten zeigt sich eine erstaunlich vielfältige Landschaft, die ich unbedingt teilen möchte.

Für gewöhnlich nutze ich die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, um in der Natur zur Ruhe zu kommen und das Jahr sacken zu lassen. Nachdem es mich zuletzt fast immer nach Süddeutschland gezogen hat, stand 2025 eine Region auf meiner Liste, in die ich bislang noch gar keinen Fuß gesetzt habe: die Sächsische Schweiz. Für mich, der beim Trekking im Winter immer die Idylle der verschneiten Alpen gesucht hat, war dieser Punkt auf der Deutschlandkarte bislang ein blinder Fleck. Wie gut aber, dass ich mir angewöhnt habe, hin und wieder die Wohlfühlzone zu verlassen.

Denn was mich hier gleichermaßen überrascht und begeistert hat, ist die vielfältige Landschaft des Elbsandsteingebirges. Dazu zählen nicht nur Wälder und Felsformationen, sondern auch historische Wahrzeichen, die sich teilweise nahtlos in die Natur einfügen. Kein Wunder also, dass sich über die Jahrhunderte hinweg viele namhafte Maler in diese eindrucksvolle Region verliebt haben. Mit seinem berühmten „Wanderer über dem Nebelmeer“ fing zum Beispiel Caspar David Friedrich schon vor über 200 Jahren die mystische Stimmung der Gegend ein – und machte die Sächsische Schweiz damit zu einer Ikone der romantischen Malerei.

Auf dem sogenannten Malerweg kann man heute in die Fußstapfen jener Künstler treten, die in der Region ihre Muse gefunden haben. Einige Stationen der acht Etappen umfassenden Wanderung habe ich in zwei aufeinanderfolgenden Tagen erkundet. Mein Fazit: Mit der richtigen Tourenplanung lässt sich die Vielfalt der Sächsischen Schweiz auch während eines Kurztrips erleben. Also: Pack Pinsel und Leinwand ein – dich erwarten tolle Motive!

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Eroberung von Königstein

Als Warm-up habe ich mich dazu entschlossen, die Bergfestung Königstein zu erobern – im übertragenen Sinn natürlich. Aufgrund ihrer Lage auf dem Felsplateau des gleichnamigen Tafelberges galt sie früher, als sie noch militärische und politische Relevanz hatte, als uneinnehmbar. Heute hingegen führt ein netter, friedlicher Wanderweg nach oben, auf dem feindliche Einnahmeversuche nur noch der Fantasie überlassen werden.

Startpunkt ist der Reißigerplatz im Ortskern Königstein, in dessen Nähe sich sowohl der Bahnhof als auch die Fährstelle und zahlreiche Parkmöglichkeiten befinden. Was letztere betrifft: Es stehen zwar mehr als ausreichend Stellplätze bereit, die Parkuhren nehmen allerdings nur Münzen an. Die Stadt löst das Problem mit einer App, über die der Parkplatz gebucht werden kann. Nur leider treffe ich das Motto dieses Blogs – unplug – an diesem Tag punktgenau. Denn zumindest mein Empfang im Ort ist so schlecht, dass ich mich erst einmal auf die Suche nach einem stabilen Signal machen muss. Wenn du diese zeitraubende Nebenquest vermeiden möchtest (mich hat sie ca. 30 Minuten gekostet), lade dir am besten schon vorher die Anwendung mobilet herunter und registriere dort dein Fahrzeug. Oder hab einfach genug Münzen dabei, um das Tagesticket für etwa 6 Euro analog zu bezahlen.

Königstein ist übersichtlich, sodass es kaum möglich ist, sich zu verlaufen. Durch den Ortskern hindurch und an der Kirche vorbei geht es kontinuierlich nach oben. Zu Beginn führt der steile Anstieg noch über den gepflasterten Seilerweg. Wer hier ins Schwitzen gerät, kann sich kurz ausruhen, um einen ersten Blick von oben auf die Stadt und die dahinterliegende Elbe zu genießen. In einer ruhigen Minute kann man sich dabei vorstellen, wie hier früher Seilmacher – daher stammt vermutlich der Name des Weges – ihrem alltäglichen Handwerk nachgegangen sind. Und apropos Schwitzen: Lange Zeit waren auch die Schiffe auf der Elbe auf Menschen und Zugtiere angewiesen, die sie vom Land aus gegen die Strömung ziehen mussten. Vor dem Übergang zur Dampfmaschine waren die Segler schlichtweg nicht in der Lage, flussaufwärts zu fahren. Ein Fuhrmann, der diesen kräftezehrenden Job ausübte, wurde als Treidler bezeichnet. Und die benötigten natürlich besonders kräftige Seile.

Fast nahtlos geht der Abschnitt auf dem Seilerweg in einen schön angelegten Waldpfad über, der mich hoch zur Festung bringen soll. Oben angekommen, erwartet mich ein wenig überraschendes Bild: Wenn ich weiter ins Innere vordringen möchte, muss ich erst einmal an der Kasse vorbei. Heißt: Für 13 Euro darf ich in den Aufzug zur Burgmauer steigen oder aber den Fußweg nehmen. Die Wahl wird mir abgenommen – wegen der eisigen letzten Tage ist die Wanderroute gesperrt. Da gerade wenig los ist, lasse ich mich also schnell und wenig abenteuerlich nach oben befördern, um einen kleinen Einblick aus der kurfürstlichen Bastion teilen zu können. Leichter kann man eine Burg wohl kaum erobern.

Mein Eindruck vom Fuß der Festung – ich war weit und breit der Einzige an der Kasse – bestätigt sich auch knapp 30 Meter weiter oben. Von lebendigem Burgtreiben kann hier nicht die Rede sein, dafür aber von einer frostigen Brise, die mir um die Löffel weht. Im späten Dezember scheint man hier im Gebirge andere, gemütlichere Pläne zu haben, sodass ich das windumtoste Plateau ganz in Ruhe erkunden kann. Mir kommt der ausbleibende Trubel ganz gelegen – schließlich sind solche Wahrzeichen nicht selten überrannt mit Tourist:innen. Ungestört schaue ich mir also die alten Wachtürme, Kasernen und ehemaligen Batteriestellungen an, die auf die einstige militärische Bedeutung von Königstein schließen lassen.

Wenn du dich für die Geschichte der Festung im Detail interessierest, kannst du auf deren Website einen interaktiven Rundgang starten. Ich belass es bei einem Blick über das weite Elbtal, aus dem in der Ferne auch der markante Lilienstein hervorragt.

Als ich die Festung wieder verlasse, trete ich nicht sofort wieder den Abstieg in den Ort an. Etwas versteckt liegt nämlich ein Pfad, der unterhalb der Mauern um die Bastion herumführt: der Patrouillenweg. Ursprünglich im Jahr 1805 für Kontrollgänge angelegt, warten auf den rund zwei Kilometern phänomenale Blicke auf architektonische Highlights des Bauwerks, darunter die Friedrichsburg und der Hungerturm. Und – wie passend – der Hunger ist es auch, der mich jetzt schnell wieder nach Königstein drängt.

Bei einem gewaltigen Teller mit böhmischen Knödeln freue ich mich darüber, meine Beine an dem Tag bereits in Schwung gebracht zu haben. Denn im Anschluss an diese zwar leckere, aber bleischwere Mahlzeit hätte ich sicher keine zwei Kilometer mehr am Stück gehen können. Letzter Halt des Tages ist daher das Thermalbad in Bad Schandau, das mich mit offenen Armen empfängt und verständnisvoll an der Oberfläche seines Solebeckens treiben lässt. Life is good.

Ikonische Felsen und mystische Schluchten

Am nächsten Tag stellt sich schnell heraus, dass ich meinen Abend durchaus sinnvoll gestaltet habe – auch mit Blick auf die massige Kaloriendichte. Denn auf mich warten heute knapp 22 Kilometer, die ich während einer 7-stündigen Wanderung hinter mich bringen möchte. Die von mir gewählte Route ist bespickt mit zahlreichen Highlights, die die Region und ganz speziell den Malerweg auszeichnen. Perfekt also für all jene, die wenig Zeit haben, aber trotzdem möglichst viele Eindrücke von der Sächsischen Schweiz gewinnen möchten.

Ich starte am kleinen, unscheinbaren Wanderparkplatz Gamrig, der am Fuße des gleichnamigen Felsen liegt. Etwa einen Kilometer entfernt – in Waltersdorf - befindet sich auch ein Bahnhof, von wo aus man den Startpunkt in etwa 20 Minuten Gehzeit erreicht. Eine Landstraße führt anschließend steil bergab ins beschauliche Niederrathen, das zusammen mit Oberrathen am anderen Elbufer eine der kleinsten Gemeinden Sachsens bildet. Wichtig zu wissen: Der Ort ist für Tagestourist:innen autofrei, was vermutlich besonders im Sommer streng kontrolliert wird. Startet also – je nach Jahreszeit – früh genug, um einen Parkplatz am Gamrig zu bekommen oder nehmt die öffentlichen Verkehrsmittel.

Noch ein Grund, möglichst früh zu starten, ist das erste Ziel der Wanderung: die Bastei. Ihr könnt euch sicher denken, dass es hier um die Mittagszeit selbst im Winter ganz schön voll werden kann, zumal das berühmte Wahrzeichen nur unweit von Hotels und Ferienwohnungen liegt. An diesem Morgen habe ich Glück – die meisten liegen offenbar noch im Bett und ich kann einen ungestörten Blick auf die historische Felsenbrücke und das umliegende Tal werfen. Übrigens habe ich am Ende meines Rundwegs noch einen Schlenker zurück gemacht, um die Bastei und die benachbarten Schrammsteine in der Dämmerung fotografieren zu können. Sobald das letzte Sonnenlicht die Kulisse streift, entsteht ein ganz besonderes Bild.

Durch ruhige Wälder oberhalb der Elbe setze ich meine Wanderung fort. Mein nächster Zwischenstopp ist die Stadt Wehlen, von wo aus ich nordwärts den Uttewalder Grund durchquere. Zwischen hohen Sandsteinwänden windet sich ein schmaler Weg durch eine kühle, moosige Schlucht – begleitet von plätschernden Bachläufen, Farnen und raschelnden Laubbäumen. Besonders markant ist hier das sogenannte Felsentor: ein riesiger eingeklemmter Sandsteinblock, der sich wie eine natürliche Brücke über den Pfad spannt. Ich muss mich tief ducken, um hindurch zu passen.

Für Caspar David Friedrich – nicht vergessen, wir sind auf dem Malerweg unterwegs – schien der Uttelwalder Grund eine der inspirierendsten Gegenden der Sächsischen Schweiz gewesen zu sein. Darauf lassen zumindest mehrere Zeichnungen und Studien schließen, die Motive von hier abbilden, darunter auch das Felsentor. Das naheliegende Dresden, knapp eine Stunde von Rathen entfernt, war über 40 Jahre lang Heimat des Künstlers. In dieser Zeit hatte er sicher unzählige Gelegenheiten, sich für die Landschaft rund um die Elbmetropole zu begeistern. Kein Wunder also, dass hier seine bedeutendsten Werke entstanden sind.

Nachdem ich mich durch das Felsentor geschoben habe, folge ich dem Weg weiter in Richtung Amselgrund. In der engen, schluchtartigen Klamm überwindet der Grünbach mehrere kleine Gefällestufen und plätschert zwischen den Felsen talwärts. Ein beeindruckendes Naturschauspiel war hier lange Zeit der „Amselfall“: Bis vor einigen Jahren konnte man hier beobachten, wie das Wasser rund zehn Meter in die Tiefe stürzt und sich über einer natürlichen Einsturzhöhle ergießt.

Seit 2019 sind der Wasserfall und die angrenzenden Gebäude jedoch wegen akuter Felssturzgefahr geschlossen. Damit Besucher:innen weiterhin gefahrlos unterwegs sind, mussten umfangreiche Sicherungsarbeiten durchgeführt werden, die leider bis heute nicht abgeschlossen sind. Deshalb durchbricht aktuell ein Baugerüst die ansonsten märchenhafte Kulisse – ein kleiner Wermutstropfen.

Beeindruckend bleibt die Wanderung dennoch. Und das liegt zu diesem Zeitpunkt vor allem an den Schwedenlöchern, die ich auf dem letzten Abschnitt der Tour besichtige. Über 700 Stufen führen durch diese kleine, schmale Schlucht, die vom Amselgrund abzweigt. Nach einigen Stunden auf den Beinen kann die Durchquerung also ganz schön anstrengend werden – aber kein Vergleich zu den Strapazen, die man hier während des Dreißigjährigen Krieges auf sich nehmen musste. Als das nördlich gelegene Dorf Rathewalde 1639 von schwedischen Soldaten zerstört wurde, flohen die Menschen der Gegend in die wilde Schlucht und brachten sich und ihre Besitztümer dort in Sicherheit. Und auch noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs waren die Schwedenlöcher ein Zufluchtsort. Wie gut ich es doch habe, heute nur vor dem Lärm der Stadt flüchten zu müssen.

Anschließend drehe ich meine kleine Extrarunde zur Bastei, von der ich anfangs berichtet habe. Das hat zur Folge, dass ich die letzte Etappe mit Stirnlampe im Dunkeln zurücklegen muss und den Amselsee vor Niederrathen nicht mehr im Tageslicht erlebe. Aber kein Problem: Ich kehre am nächsten Morgen hierher zurück, um das stille und ruhige Gewässer bei einem leckeren Kaffee und sonnigem Wetter zu fotografieren.

Ich kann mittlerweile gut verstehen, weshalb die Sächsische Schweiz zu den schönsten Wanderregionen Deutschlands gehört. Die Landschaft wirkt an vielen Stellen fast unwirklich – mit ihren schroffen Felsen, engen, moosigen Schluchten und den ständig wechselnden Ausblicken. Immer wieder hat mich die Vielfalt überrascht und daran erinnert, wie einfach es doch eigentlich ist, für ein paar Tage, wenigstens Stunden, komplett in der Natur abzutauchen und den Alltag auszublenden. Der gesamte Malerweg umfasst insgesamt etwa 112 Kilometer – ich bin mir also ziemlich sicher, dass dies nicht meine letzte Tour hierhin war.


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